07.11.2015

Der gezähmte Finanz-Markt (Teil 2)

Unerwünschte Schieflagen von Finanzmärkten bekämpfen - Versuch einer Sortierung

Deutschland erlaubt das Handeln auf Swap-Märkten und verbietet das Handeln mit Drogen.
Beides birgt Risiken für die Gesellschaft.
Der Gesetzgeber kann Märkte eingrenzen, um solche Schieflagen zu vermieden.

 

Welche Schieflagen sollen bekämpft werden? Und was sind die Instrumente dafür?

Im ersten Teil wurden die Aufgaben des Finanzsektors und die Gefahrenzonen erläutert: http://nachrichten-oederan.dklh.de...?edit=1892

Diesen abgehobenen Finanzmärkten fehlt nicht nur der direkte Bezug zur Realwirtschaft, sie laufen zudem in einer eigenen virtuellen Welt ab: elektronisch in Hochgeschwindigkeit, außerbörslich im OTC-Handel - „over the counter“, steuerfrei und ohne Aufsicht. Viele Papiere erscheinen in keiner Bank-Bilanz. Laut Wikipedia beträgt das Volumen des OTC-Derivate-Marktes 450 Billionen Dollar.

Diese abgehobenen Finanz-Waren liefern keinen Mehrwert für die Real-Wirtschaft, denn diese erhält dadurch kein zusätzliches Kapital. Die abgehobenen Finanztitel beziehen Ihren Mehrwert aus dem Markt selbst durch Zeit- und Entfernungsgefälle und vor allem durch Bewertungsveränderungen - dem Steigen und Fallen von Kursen. Der Gewinn entsteht letztlich auf Kosten der Realwirtschaft, da die Finanzmittel in den abgehobenen Finanz-Märkten der Realwirtschaft fehlen und da die Kasino-Spieler auf das schnelle Auf- und Abwerten, auch von Aktien oder Renten setzen und zudem selbst Bewertungsschwankungen betreiben.

 

Wie können diese Schieflagen bekämpft werden? Hier ein Lösungsansatz:

1. Nur Finanzpapiere mit direktem Bezug zur Realwirtschaft
... und ohne mehrstufige Verbriefung sind erlaubt.
2. Der Slow-Handel mit wenigen Handelsschlusspunkten ersetzt
... den permanenten Hochgeschwindigkeits-Handel.
3. Der Handel ist nur beaufsichtigt zulässig -
... mit registrierten Personen, Firmen bzw. Organisationen.
4. Der Handels-Verlauf und die Käufer sind zu dokumentieren.
5. Jede Transaktion wird besteuert.
6. Der Ankerpunkt: Nur bei Einhaltung der Vorgaben (Punkt 1 bis 5)
... dürfen Zinsen, Dividenden und Rentenrückgaben
... von der schuldenden Realwirtschaft ausgezahlt werden.

Am überflüssigsten für die Kapitalsuchenden ist die Hochgeschwindigkeit. Kein Unternehmen benötigt Kapital im Sekundentakt. Die Geschwindigkeit benötigen nur die Spekulanten. Unternehmen binden sich langfristig an Kapital.

Leider fehlt Regierungen und Gesetzgeber bis heute der Mut, sich dem selbst-gebastelten Treiben der Finanzmärkte entgegenzustellen. Die Demokratie muss das Rückgrat aufbringen, Finanztransaktionen zu besteuern, Hochgeschwindigkeit zu bremsen, mehrstufige Papiergeschäfte zu verbieten und den Verlauf zu kontrollieren. Der Finanzsektor benötigt mehr Fesseln und mehr Aufsicht als alle anderen Wirtschaftssektoren.

Der Lösungsansatz lässt sich sogar national umsetzen. Je mehr Staaten mitmachen, umso schneller werden die abgehobenen Finanzmärkte trocken gelegt.

Eingetragen von KKL