17.10.2015

Der Markt, die verkannte Errungenschaft (2)

Das Wirtschaften nach Marktregeln ist eine junge Erfindung und nur wenige verstehen, wie die Erfindung funktioniert.

Die freie Marktwirtschaft ist häufig heftiger Kritik ausgesetzt - vor allem dann, wenn dabei Kapitalismus als unbeherrschbares Monstrum diskutiert wird. Kapitalismus steht auf zwei Säulen: Marktprinzip und Privateigentum. Der freie Zugang zu Märkten bedingt Privateigentum der gehandelten Güter und der Mittel zur Produktion der Güter. Was aber die meisten Kritiker stört, sind zwei Dinge: die ungleiche Verteilung des Eigentums und Ungleichgewichte im Markt. Leider wird zwischen Grundprinzip und Exzess kaum unterschieden. Zum Grundprinzip gibt es keine Alternative. Dem Exzess kann jedoch Einhalt geboten werden.

Um die Ursachen für Exzesse zu erkennen, muss man den Wettbewerb als Element der Marktwirtschaft verstehen. Märkte erzeugen Wettbewerb. Je höher der Wettbewerb, desto stärker der Druck auf den Preis, der Gewinn sinkt oder wird zum Verlust. Wettbewerb erzeugt im positiven Sinne Kreativität: Anbieter spezialisieren ihre Produkte oder erfinden neue Produkte. Im negativen Sinn versuchen Marktteilnehmer den Wettbewerbsdruck zu umgehen durch Verdrängung, Absprachen oder falsche Informationen.

Und dann gibt es noch eine Regel in der Marktwirtschaft: Der Markt belohnt die Großen. Marktentwicklungen sind unberechenbar und belohnen Trends. Stoßen Angebote auf eine große Nachfrage, beschert dies dem Anbieter hohe Marktanteile, große Gewinne und schließlich schnelles Wachstum. Ein aktuelles Beispiel ist Google. Neben Marktmacht kumuliert sich Kapital, das für Expansion in Märkte und Exploration von neuen Märkten eingesetzt werden kann. Es entstehen Konzerne, die überproportional am Marktwachstum teilhaben und überdurchschnittliche Gewinne erzielen. Sie erzielen Dominanz nicht nur in Märkten, sondern entziehen sich in der globalisierten Welt den nationalen rechtlichen Einschränkungen. Sie haben Geld für Studien und Meinungskampagnen (Zucker ist gesund) und für Lobbyisten, die die Gesetzgebung beeinflussen.

Wenn der Staat den Wettbewerb in den Märkten erhalten will, muss er das Gleichgewicht in den Märkten stützen und die aufgezeigten, einseitigen Entwicklungen einschränken. Wenn der Staat Rahmenbedingungen für Märkte setzt, können die Schieflagen vermieden werden. Die Ökonomen sprechen vom ordnungspolitischen Rahmen für die Marktwirtschaft. Manche fassen dies unter dem Begriff „soziale Marktwirtschaft“ zusammen.

Zur Beeinflussung von Märkten hat der Staat drei Instrumente: Verbote, Abgaben und Subventionen. Er sollte diese Instrumente vorrangig in den Bereichen einsetzen, die unerwünschte Schieflagen aufzeigen. Dazu gehören: überflüssige und überschäumende Märkte, Oligopole und Monopole, Arbeitsmarkt sowie Unternehmenseigentum. Hier liegt das Aufgabenfeld von Gesetzgeber und Regierung.

Die Prinzipien des freien Marktes sind einfach, aber auch anfällig für Schieflagen. Wir müssen den freien Zugang zum Markt und das Privateigentum schützen und gleichzeitig den ordnungspolitischen Rahmen für das Marktgleichgewicht gestalten. Diese Aufgaben kann die Demokratie bewältigen. Der ordnungspolitischen Rahmen sollte den Diskurs bestimmen und das Marktverständnis zur Allgemeinbildung gehören. Das hat die verkannte Errungenschaft Marktwirtschaft verdient.

Zu Teil 1: http://nachrichten-oederan.dklh.de...hp?id=1890

Eingetragen von KKL

Kommentare

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joh.morgenstern - 25.10.2015 - 18:14

Respekt...

Sehr geehrter Herr Klein, Ihre Artikel finde ich sehr interessant.
Auch finde ich es gut, das Sie hier wieder aktiv sind.
Die von Ihnen dargestellte Aussage ist ja nicht neu.
Vielmehr würde mich interessieren, was Sie mit den Informationen bewegen wollen.
Die Oederaner sind ein gutes Stimmvieh (Leider), aber taugen Sie auch Ihre Meinung aufzunehmen und daraus Konsequenzen abzuleiten.
Die Welt verändert sich die Tage sehr. Vielleicht ergeben sich auch für Oederan und für Ihre Unternehmen neue Chanen.
Das wünsche ich Ihnen.
Joh. Morgenstern